Klassik  Soloinstrument  Klavier
Jascha Nemtsov Wolfsohn, Juliusz: Paraphrasen über altjüdische Volksweisen / Jüdische Rhapsodie / Hebräische Suite / lFranz Liszt: Ungarische Rhapsodien Nr. 3/7/8/13 OC 572 CD
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FormatAudio CD
BestellnummerOC 572
Barcode4260034865723
LabelOehmsClassics
Erschienen am03.06.2008
Verkaufsrang19310
Mitwirkende/rMusiker Komponist/en
  • Liszt, Franz
  • Wolfsohn, Juliusz

Hersteller/EU Verantwortliche Person

Hersteller
  • UnternehmensnameNAXOS DEUTSCHLAND Musik & Video Vertriebs-GmbH
  • AdresseGruber Straße 46b, 85586 Poing, DE
  • e-Mailinfo@naxos.de

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      Der russisch-jüdische Pianist Jascha Nemtsov wurde 1963 in Magadan geboren. Er studierte am Konservatorium von St. Petersburg und lebt seit 1992 in Berlin. Neben dem klassisch-romantischen Klavierrepertoire und der Musik des 20. Jahrhunderts liegt ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf Werken jüdischer Komponisten. Auf seiner neuen CD stellt er Franz Liszts Ungarischen Rhapsodien Werke von Juliusz Wolfsohn gegenüber. Wolfsohn wurde 1880 im seinerzeit russischen Warschau geboren und starb 1944 in New York. Nach Klavier- und Kompositionsstudien in Moskau setzte er seine Ausbildung als Pianist in Paris und Wien fort. 1939 emigrierte er in die USA. In seinen Werken beschäftigt er sich ausschließlich mit jüdischer Musik und der jiddischen Folklore.

      Gipsy Soul – Jewish Heart

      Im Jahre 1859 erschien in Paris in französischer Sprache ein Buch unter dem Titel „Die Zigeuner und ihre Musik in Ungarn“. Der Autor war der berühmte Franz Liszt, er hatte dieses Buch als eine Art literarisches Pendant zu seinen einige Jahre zuvor veröffentlichten 15 Ungarischen Rhapsodien konzipiert. Diese Werke, die zu dem Zeitpunkt bereits europaweit bekannt waren, stellten einen erfolgreichen Versuch dar, die Spielweise der ungarischen Zigeuner-Kapellen nachzuempfinden. Die Besonderheiten der Zigeunermusik, wie Dynamik, Metrum, Agogik, Rhythmus, Klangfarben typischer Instrumente, harmonische Struktur usw., hatte Liszt während seines Ungarn-Aufenthalts in den 1840er Jahren mit der Gründlichkeit eines Folkloristen studiert.

      Liszt war jedoch nicht nur von der Musik der Zigeuner fasziniert, sondern auch von ihrer ganzen Lebensart, deren wichtigste Eigenschaft seiner Meinung nach das „Streben nach schrankenloser Freiheit“ wäre.

      Merkwürdigerweise widmete Liszt bereits das zweite Kapitel seines Buchs einem anderen Thema, es heißt „Des Zigeuners Gegensatz: der Israelit“. Dieses Kapitel enthält neben den für die damalige Zeit typischen Vorurteilen auch bemerkenswerte Passagen, die von Liszts Sympathie und Interesse für Juden, ihre Geschichte und ihre Kultur zeugen. Eine dieser Passagen ist jüdischer Musik gewidmet:

      „Wir haben ein einziges Mal Gelegenheit gehabt, eine Ahnung von dem zu empfinden, was eine judäische Kunst werden könnte, wenn die Israeliten alle Intensität des in ihnen lebenden Gefühls in Formen ihres eigenen Geistes kundgäben. Wir lernten in Wien den Kantor Sulzer kennen. … Um ihn zu hören, gingen wir zur Synagoge, deren musikalischer Leiter und Vorsänger er war. Selten haben wir eine so überwältigende Erschütterung aller Saiten der Gottesverehrung und des menschlichen Mitgefühls erlebt, als an diesem Abend, wo beim Schein der den Plafond gleich Sternen übersäenden Kerzen ein seltsamer Chor anhub von dumpfen, gutturalen Stimmen, als wäre jede Brust eine Kerkerzelle, aus deren Tiefen sie sich rangen, um dem Gotte der Bundeslade in Elend und Gefangenschaft lobzusingen, ihn mit festem Glauben anzurufen, voll der Gewißheit einstiger Erlösung aus endlos langer Sklaverei, … es war unmöglich, nicht mit allen Sympathien der Seele in den großen Aufruf dieses Chores einzustimmen, der wie auf riesigen Schultern die Last so vieltausendjähriger Überlieferungen und göttlicher Wohltaten, so vieler Empörungen und Züchtigungen und so unerschütterlicher Hoffnungen trug.“

      Zigeuner und Juden: zwei Völker in einer fremden Welt und ihre Musik

      Das historische Schicksal von Zigeunern und Juden weist eindeutige Parallelen auf. Beide Völker stammen ursprünglich aus dem Orient (Juden aus dem Nahen Osten, Zigeuner aus Indien), sie wurden in Europa jahrhundertelang als Fremde behandelt und waren Verfolgungen ausgesetzt. Zum Höhepunkt dieser Verfolgungen wurde bekanntlich die Nazizeit in Deutschland, in der Millionen von Juden und Zehntausende von Sinti und Roma allein wegen ihrer Abstammung ermordet wurden.

      Juden kamen bereits in der Römerzeit nach Europa, Zigeuner im späten Mittelalter. In dieser langen Diaspora-Existenz unter anderen Völkern konnten sie trotz eines enormen Assimilationsdrucks viele typische Eigenschaften ihres Nationalcharakters beibehalten. Diese Eigenschaften prägten auch ihre Volksmusik.

      Die jüdischen Klezmer-Kapellen und die Zigeunerkapellen sind zwei Phänomene, die die musikalische Landschaft in Ost- und vor allem in Südosteuropa entscheidend mitgestalteten. Auch hier sind Parallelen nicht zu übersehen: die perfekte Beherrschung der Improvisationskunst, freie rhapsodische Musizierformen, reichhaltige Ornamentik, nicht zuletzt die charakteristischen Modi mit der übermäßigen Sekunde. Ähnlich waren ihre Kapellen – Instrumentalensembles ohne Gesang, die meistens zwei bis fünf, manchmal aber bis zu zwölf Instrumente vereinigten. Auch das Instrumentarium war im Wesentlichen gleich: Geige oder Klarinette als Soloinstrumente, Zymbal als Begleitung.

      Darüber hinaus zeichneten sich sowohl Klezmer- als auch Zigeunermusikanten durch ihre erstaunliche Fähigkeit aus, Folklore anderer, sie umgebender Völker zu absorbieren und sie auf eine eigene Art zu verändern. Das Repertoire der ungarischen Zigeunerkapellen basierte zu einem überwiegenden Teil auf Melodien ungarischer Volkslieder, die virtuos ausgeschmückt und zu Grundthemen von großen rhapsodieartigen Kompositionen wurden. Die wichtigsten Mittel waren dabei Variation und Ornament. Das waren aber auch Wesensmerkmale der jüdischen Klezmermusik, die ebenfalls zu einem großen Teil moldawische, ukrainische, rumänische, polnische und ungarische Volkslieder und -tänze verarbeitete.

      Es ist daher kein Wunder, dass jüdische und Zigeunermusikanten oft den Weg zum gemeinsamen Musizieren fanden. Ein Kenner der osteuropäischen jüdischen Musik, François Lilienfeld, schreibt:

      „Die Kunst der Klesmorim wurde auch von Nichtjuden sehr geschätzt, und sie wurden für nichtjüdische Anlässe engagiert, was ihr Repertoire stark prägte; ein guter Klesmer war in der jüdischen Musik ebenso zuhause wie in der des Gastlandes. Eine besondere Beziehung bestand seit jeher zwischen Roma-Musikern und Klesmorim. Dies mag auf das gemeinsame Verfolgtenschicksal und den damit einhergehenden reisenden Lebensstil zurückgehen. Jedoch sind auch musikalische Parallelen offensichtlich: Mündlich weitergegebene Musik, Nähe von Trauer und Fröhlichkeit und der Gebrauch alter orientalischer Tonarten sind auch in der Zigeunermusik zu finden.“

      Dem Gebrauch der vermutlich aus dem Orient herkommenden übermäßigen Sekunde und anderen musikalischen Gemeinsamkeiten widmete seine Ausführungen der Komponist und Cellist Joachim Stutschewsky, der, wie so viele jüdische Musiker von Rang, selbst aus einer bekannten Klezmer-Familie stammte:

      „Eine gewisse ‚Verwandtschaft’ von ‚Zigeuner’- und ‚Ghetto’-Musik besteht zunächst darin, als beide von Haus aus einstimmig sind: die Melodie dominiert, ist überlegen. Ferner bleibt, als treue Schicksalsgefährtin, sowohl die Zigeunerals auch jüdische Musik reich an Empfindung, Ausdruck und rhythmischen Besonderheiten, allen Schulregeln und theoretischen Überlegungen fern, fern auch der Evolution und den diversen Auswirkungen abendländischer Musik. Hier, wie dort strömt die Musik frei, als reiner Naturtrieb, ist sie Erzeugnis ungehemmter Naturbegabungen.“

      Die stilistischen Parallelen in der Klezmer- und Zigeunermusik sind im wesentlichen durch dreierlei Faktoren zu erklären: erstens spielte ihre orientalische Herkunft eine Rolle, zweitens waren sie Resultat der gegenseitigen Anregung und des gemeinsamen Musizierens, und drittens wirkten sie in demselben geographischen Raum, von denselben kulturellen Einflüssen umgeben. Das letzte gilt vor allem für die rumänisch-moldawische Instrumentalmusik mit ihrer Doina als Hauptgattung. Doina ist eine längere Komposition aus zwei Teilen, in der der erste langsame Teil einen nachdenklich-melancholischen Moll-Charakter hat, und der zweite ein schneller virtuoser Tanz ist. Diese Form wurde sowohl von jüdischen als auch von Zigeunermusikanten übernommen und intensiv praktiziert. Liszt verewigte sie in seinen Ungarischen Rhapsodien.

      Der erste, langsame Teil – eine improvisationsartige Fantasie oft ohne genaue Metrum- Bindungen – wurde in der jüdischen Musik als „Taksim“ bezeichnet. Dieses Wort ist türkischen Ursprungs, es wurde auch von Zigeunerkapellen benutzt. Möglicherweise wurde diese Form durch jüdische Musikanten nach Südosteuropa gebracht; es kann auch sein, dass Rumänen, Juden und Zigeuner sie unabhängig voneinander der türkischen Tradition entnahmen.

      Es ist auch ansonsten oft kaum möglich, herauszufinden, wer von wem im einzelnen beeinflusst war. Fest steht, dass die Volksmusik der südosteuropäischen Länder ein Gemisch ohnegleichen war, in dem unzählige europäische und orientalische Einflüsse zusammengeschmolzen waren. Jüdische und Zigeunermusik waren wichtige Bestandteile dieser Kultur, sie haben dabei nicht nur Elemente der Folklore anderer Völker aufgenommen, sondern auch einen höchst bedeutsamen eigenen Beitrag geleistet.

      Obwohl die ungarische Zigeunermusik schon vor Liszt etliche Komponisten, wie Haydn, Beethoven oder Schubert, inspiriert hatte, war er der erste, dem es gelungen ist, ihren Geist in Formen der Klaviermusik authentisch wiederzugeben.

      Juliusz Wolfsohn

      Liszts Ungarische Rhapsodien wurden zum Vorbild für einen jüdischen Komponisten, der sich vorgenommen hatte, ähnliches im Bezug auf jüdische Volksmusik zu schaffen. Sein Name war Juliusz Wolfsohn. Wie Liszt war Wolfsohn nicht nur Komponist, sondern auch und in erster Linie ein Klaviervirtuose; Klavier lag ihm auch beim Komponieren am nächsten.

      Wolfsohn wurde 1880 in Warschau geboren und studierte zunächst am Konservatorium seiner Heimatstadt Klavier und Komposition, bevor er seine Studien am Moskauer Konservatorium und in Paris bei Raoul Pugno vervollkommnete. Schließlich kam er nach Wien, wo er Schüler von Theodor Leschetitzky wurde. Daher war Wolfsohn sozusagen ein Enkelschüler von Liszt.

      Wolfsohn blieb in Wien und machte sich schnell einen Namen vor allem als herausragender Chopin-Interpret. Er unternahm zahlreiche Konzertreisen in verschiedene europäische Länder und in die USA, die ihm allgemeine Anerkennung brachten und seine Stellung im internationalen Musikleben begründeten.

      Als Komponist arbeitete Wolfsohn ausschließlich auf dem Gebiet jüdischer Musik. Sein erstes größeres Werk – die Jüdische Rhapsodie aus dem Jahre 1912 – knüpft auch mit ihrem Titel an den berühmten ungarischen Vorgänger an. Ein Rezensent der Zeitschrift „Die Musik“ bemerkte damals über diese Komposition:

      „Prof. Wolfsohn hat hier ein dankbares, wenn auch nicht leicht zu bezwingendes Klavierstück geschaffen, das durch die Tiefe seiner Empfindung ebenso ausgezeichnet ist, wie durch die pianistischen Reize, die aus dem thematischen Material herausgeholt sind. Psalmodien und Choral, Hochzeitstanz und Mahlzeitlied greifen wie Glieder einer Kette ineinander, und wenn zum Schluß ein Hochzeitslied angestimmt wird, so ist es nach dem triumphalen Aufschwung, den sie nimmt, nur natürlich, dass es eine Freude ist, die mit einem Auge lacht und mit dem anderen weint“.

      Bis 1920 entstanden außerdem zwölf Paraphrasen über altjüdische Volksweisen, die in drei Bänden von der Universal Edition Wien in mehreren Auflagen herausgegeben wurden. Die Themen dieser Paraphrasen waren bekannte jiddische Lieder, wie zum Beispiel das chassidische Lied „Der Rebbe hot geheißen frejlech sein“ im Hochzeitslied. Außerhalb des chassidischen Milieus wurde diese Melodie durch Klezmer- Kapellen verbreitet, die es in ihr Repertoire aufnahmen und bevorzugt bei Hochzeiten spielten.

      Wolfsohns bedeutendstes publiziertes Werk ist die Hebräische Suite, die zunächst 1926 für Klavier solo komponiert, danach auch für Klavier und Orchester umgearbeitet wurde. All diese Werke genossen in den 1920–30er Jahren große Popularität; sie wurden nicht nur von Wolfsohn selbst, sondern auch von anderen jüdischen und nichtjüdischen Pianisten aufgeführt. Ein Musikkritiker begeisterte sich über Wolfsohns Musik: „Aus der unendlichen Trauer oder bizarr-grotesken Lustigkeit dieser Weisen steigt die fremdartige und doch streng in sich geschlossene Welt des Ostjuden geheimnisvoll auf. Die Volkslieder sind uralt und es erfordert keinen geringen Grad von seelischem und künstlerischem Einfühlungsvermögen, ihre Eigenart … nicht zu zerstören. Wolfsohn hat diese ungemein schwere Aufgabe glänzend gelöst. … Wie klingt das alles, wie elegant, geistreich und zartsinnig-intim, wie echt pianistisch und klaviermäßig ist das alles gedacht!“

      Wolfsohn gehörte zu den Protagonisten des Wiener Vereins zur Förderung jüdischer Musik, für die er sich vielfältig engagierte, nicht zuletzt auch als Musikkritiker der Wiener jüdischen Zeitungen „Die Stimme“ und „Die neue Welt“.

      Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler- Deutschland floh Wolfsohn 1939 in die USA, wo er sich musikalisch nicht mehr betätigen konnte und 1944 starb. Sein Name geriet danach vollständig in Vergessenheit. Es wurde bis jetzt noch keine einzige seiner Kompositionen auf kommerziellen Tonträgern aufgenommen.

      Jascha Nemtsov

      Titelliste weniger

      CD 1
      • Franz Liszt (1811–1886)
        • 1.Hungarian Rhapsody No. 806:50
      • Juliusz Wolfsohn (1880–1944)
        • 2.Jewish Rhapsody07:56
      • Franz Liszt
        • 3.Hungarian Rhapsody No. 705:14
      • Juliusz Wolfsohn
        Hebrew Suite op. 8
        • 4.At the Wonder Rabbi´s06:28
        • 5.Redl (Rondo)06:21
        • 6.Love Song05:55
        • 7.Freilachs (Wedding Dance)07:12
      • Franz Liszt
        • 8.Hungarian Rhapsody No. 305:03
      • Juliusz Wolfsohn
        Paraphrases on Old Jewish Folk Songs
        • 9.Hochzeitslied (Wedding Song)04:10
        • 10.Oj Branje03:44
      • Franz Liszt
        • 11.Hungarian Rhapsody No. 1309:09
      • Total:01:08:02