Gleich zwei der großen Klavierkonzerte hat der renommierte Pianist
Alfredo Perl nun für OehmsClassics eingespielt: gemeinsam mit dem BBC
Symphony Orchestra unter Leitung des gefeierten Dirigenten Yakov
Kreizberg sind soeben die beiden Konzerte von Franz Liszt und dessen
"Totentanz" für Klavier und Orchester erschienen. Bei dem profilierten
Solisten, immer wieder als Erbe seines Landsmanns Claudio Arrau, aber
auch als Nachfolger Alfred Brendels bezeichnet, sind Persönlichkeit und
Künstler im Einklang, ein Pianist mit Profil, unbeirrbar und geradlinig.
Alfredo Perl piano
Yakov Kreizberg conductor
BBC Symphony OrchestraFranz Liszt Klavierkonzerte & Totentanz
Franz Liszt wurde am 22. Oktober 1811 in Raiding,
unweit von Eisenstadt im Burgenland,
als Sohn eines Beamten im Dienste des Fürsten
Esterházy geboren. Seinen ersten Unterricht
erhielt er vom Vater. Die Familie übersiedelte,
um den Sohn zu fördern, erst nach Wien, dann
nach Paris, von wo aus Liszt sich auf umfangreiche
Konzertreisen begab. Mit 13 Jahren war
er bereits ein gefeierter Virtuose, um den sich
endlose Legenden ranken. Liszt ist der Erfinder
des Klavierrezitals. Er war der erste Pianist,
der ein öffentliches Publikum mit einem abendfüllenden
Soloprogramm in seinen Bann zog.
Wie bei allen konzertierenden Virtuosen
waren auch Liszts Kompositionen in dieser
Zeit auf die Wirkung seines Spiels ausgerichtet
und dienten in erster Linie dem Zweck, seine
besonderen technischen Fähigkeiten herauszustellen.
Dennoch enthalten viele dieser
Bravourstücke bereits eine musikalische Substanz,
die Liszt in späteren Jahren für große
Kompositionen verwertete. Viele seiner Meisterwerke
der Weimarer Jahre haben ihren
Ursprung in dieser Zeit.
Andererseits fanden sich aus Liszts Programmzetteln
immer schon ungewöhnlich
viele Werke anderer Komponisten, bearbeitet
und unbearbeitet. Für die Klavierkonzerte entscheidende
Impulse gingen von Webers
Konzertstück in f-Moll sowie von Schuberts
Wandererfantasie aus, die Liszt als Klavierkonzertfassung
bearbeitete.
Als er 1830 Hector Berlioz kennenlernte,
hatte der gerade seine
Symphonie fantastique
vollendet und uraufgeführt. Zusammen mit
dem überwältigenden Eindruck, den Niccolò
Paganinis Auftritt ein Jahr später auf ihn
gemacht hatte, stehen diese beiden Ereignisse
beispielhaft für die künftige Entwicklung
seines kompositorischen Schaffens.
Liszt entwickelte das Konzept des „poetischen
Gedankens“, wonach ein einziger
musikalischer Gedanke durch Thementransformation
zum Ausdrucksträger vielfältiger
poetischer Aussagen wird. Gleichzeitig nahm
er sich vor, eine Klaviertechnik zu entwickeln,
die Paganinis Violinspiel entsprach. Es folgten
noch Jahre ruhelos umherziehenden Virtuosentums,
bevor er sich 1848 überraschend vom
Konzertleben zurückzog und in Weimar ein
Amt als ordentlicher Kapellmeister antrat.
In diesen Weimarer Jahren (1848–1861)
erreichte Liszt, obwohl sich das Leben weitaus
weniger beschaulich erwies als erhofft,
seinen schöpferischen Höhepunkt. Es entstanden die Werke, die heute den überdauernden
Kern seines Klavierschaffens bilden:
Die
h-Moll-Sonate, die Dante-Fantasie, die
Études d´execution transcendante. Den Weimarer
Jahren sind auch die
12 Symphonischen
Dichtungen zu verdanken und nicht zuletzt die
hier aufgenommenen Werke für Klavier und
Orchester.
Wenn Liszt Bedeutendes zu sagen hatte,
fasste er sich meist kurz. Typischerweise ist
die Dichte und Ausdrucksstärke seiner Werke
das Ergebnis eine langen Destillationsprozesses.
Nicht jedes hat Liszt dem reinigenden
Prozess einer permanenten Revision unterworfen.
Doch dort, wo es ihm gelungen ist,
entstand als Ergebnis oft eine konzentriertes
Meisterwerk.
Die beiden
Klavierkonzerte (Nr. 1 in Es-Dur,
Nr. 2 in A-Dur) haben eine solche Entstehungsgeschichte.
Skizzen zum Es-Dur-Konzert liegen
bereits von 1830 vor. 1849 wurde es veröffentlicht
und in den Jahren 1853 und 1856 revidiert.
Die Entstehung des Zweiten Konzertes
(A-Dur) begann 1839. Nach schier endlosen
Umarbeitungen spielte Liszt es 1857 in Weimar,
doch veröffentlichte er es erst 1863.
Beide Werke verbinden den Gedanken der
Symphonischen Dichtung mit der zyklischen
Konzertform. Die Sätze sind in beiden Konzerten
zwar klar abgegrenzt, doch werden sie in
ungebrochener Folge gespielt. Die Themen sind
zahlreicher als bei einer monothematischen
Symphonischen Dichtung, doch sind sie stark
miteinander verbunden. Gleich zu Beginn des
Es-Dur-Konzertes zeigt sich, dass die übliche
Tutti-Solo-Vorstellung der Themen einer symphonischen
Exposition gewichen ist. Der symphonische
Charakter hebt die Bedeutung des
Orchesters über einen Begleitapparat hinaus.
Dem Klavier bleibt genügend Raum zur virtuosen
Charaktervariation erhalten.
Der
Totentanz ist eine Paraphrase über
den dies irae-Hymnus aus dem gregorianischen
Requiem. In Tanzform, gar als Walzer,
erscheint es bereits in Berlioz´
Symphonie
fantastique. Er bildet eine Reihe sehr bildlicher
Charaktervariationen. Inspiriert wurde Liszt
dazu im Jahre 1839 durch eine Frescodarstellung
des Jüngsten Gerichts von Orcagma.
Geschrieben wurde der Totentanz in zeitlicher
Nachbarschaft zu den beiden Klavierkonzerten
und 1865 in revidierter Fassung uraufgeführt.
Karsten Hens