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Der 1979 geborene russische Pianist ist der Gewinner des
ersten Preises beim Arthur-Rubinstein-Wettbewerb in Tel
Aviv. Er debütierte beim Tonhalle-Orchester Zürich unter
David Zinman und wurde mit dem „Reuters“ Preis der
Verbier-Akademie geehrt. Die Presse bezeichnete ihn als
„Visionär…, der allem, was er spielt, einen tieferen Sinn
gibt“(Le Temps, 3. August 2001).
Kirill Gerstein piano
Zu den Werken
Das Klavier ist ein eher abstraktes Instrument
– seine einzelnen Töne haben nicht
den warmen, persönlichen Charakter der Violine
oder des Violoncellos. Sobald sich die Töne
aber zu einem Ganzen vereinen und unterund
gegeneinander ausgewogen sind, verleihen
sie dem Klavier Suggestions- und Illusionskraft:
Legato, Orchestertextur und Gesangslinien
beginnen sich herauszukristalisieren.
Komponisten haben diese Stärke des Instruments
auf verschiedene Weise ausgenutzt.
Diese Unterschiede und Ähnlichkeiten, die
von der Zeit, dem Stil, der Philosophie von
Ästhetik und von dem jeweiligen Geschmack
der Komponisten abhängen, zeigen die Gemeinsamkeiten
und Kontraste der Werke, die ich
hier eingespielt habe.
Bei den Werken von Bach und Beethoven
wird das Tasteninstrument häufig verwendet,
den Orchesterstil jener Zeit anzudeuten und
wiederzuspiegeln (manchmal bereichert,
manchmal unverziert). Der erste Satz der Partita
Nr. 4 von Bach ist praktisch eine „Transkription“
einer Orchesterouvertüre im französischen
Stil. Die Sarabande könnte sehr einfach in ein
instrumentales Stück verwandelt werden.
Beethovens Klaviersonaten laufen häufig mit
seinen Experimenten im Streichquartett- oder
Sinfoniegenre parallel. Das Adagio molto der
Sonate Nr. 1 Op. 10 ist ein Vorläufer der langsamen
Sätze seiner späteren Streichquartette.
Man könnte die Behauptung aufstellen, daß
die schnellen, verzierten Passagen in diesem
Satz rein pianistischen Charakter haben. Es ist
dann interessant zu beobachten, wie diese
und andere Einfälle für Tasteninstrumente
wiederum Beethovens Schaffen im Streichquartettgenre
und bei anderen Ausrucksmitteln
beeinflussen. Das Finale dieser Sonate ist voll
von sinfonischen Kontrasten und enthält eine
mit dem Eröffnungsmotiv von Beethovens Fünfter
Sinfonie eng verwandte Version, die diesem
Motiv jedoch mehrere Jahre vorangeht.
Mit seinem frühen Stil setzt Scriabin die von
Chopin eingeschlagene Richtung fort, indem
sein Klavierstil bis auf einige Ausnahmen in
keiner Weise versucht, den Orchesterklang
widerzuspiegeln. Scriabins Klaviermusik bekundet
wie die von Chopin seine große Liebe
zu dem Instrument als solches. Während die
musikalischen Gedanken von Bach und Beethoven
häufig für das Klavier übertragen
(arrangiert) werden, sind Scriabins Texturen
so angelegt, die klingenden Obertöne hervorzubringen,
die diesem Instrument eigen sind.
In späteren Jahren änderte Scriabin seinen Stil
drastisch, und obgleich die Etüden Op. 65
virtuose Klavierstücke sind, sind ihre technischen
Schwierigkeiten eher auf Scriabins
rein kompositorischen Interessen zurückzuführen.
In jedem dieser Stücke hält er sich in
den Grenzen eines bestimmten Intervalls. Das
9., 7. und 5. Intervall setzt den drei Etüden jeweils
die Grenze. Diese ungewöhnliche Auswahl
gibt diesen Etüden ihren einzigartigen Klang.
Die Intervalle vereinigen sich zu den typischen
Harmonien Scriabins und zwingen zudem die
Hände zu ungewöhnlichen, zunächst unbequemen
Positionen, um so das zu erfüllen,
was der Titel verspricht – eine technische
Herausforderung.
Mit Earl Wilds Bearbeitungen von Gershwin-
Liedern reicht die Tradition romantischer Klaviertranskriptionen
bis ins Ende des 20. Jahrhunderts.
Der komplexe Klavierstil von Rachmaninoff
und Godowsky wird mit den Jazz-
Melodien der Lieder Gershwins verbunden.
Wilds wunderbares Gefühl für Klaviertextur und
Klangfülle ist aus seinen Aufnahmen offensichtlich.
Diese Stücke versprühen die reine
Freude am Spiel und Zuhören des Klanges
dieses so abstrakten und gleichzeitig so persönlichen
Instruments – des Klaviers.
© Kirill Gerstein 2003
Pressezitate
...Dieser 23-jährige CD-Debütant wirkt so frei, so souverän, so intelligent und gefühlvoll, dass er, ganz mühelos, zum Kern der jeweiligen Musik vordringt, ihren Charakter freilegt und uns mit seiner charismatischen Überzeugungskraft in seinen Bann schlägt. So stelle ich mir den Pianisten der Zukunft vor: perfekt,polyglott, offen, hochsensibel und sicher - ein global player, der trotzdem Individualität verkörpert.... Attiler Csampai, Stereoplay 02/04
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